»Wort Gottes«
Der Flügelaltar von Sieger Köder
in der St.Heinrich-Kirche

„Wort Gottes“ - Zu diesem Thema hat der bekannte Schwäbische Priester und Maler Sieger Köder (geb. 1925) einen Flügelaltar geschaffen für die Kirchengemeinde St.Heinrich in Kiel.
Seit 1996 konnte die Gemeinde das langsame Werden des Altares verfolgen. Zunächst hing nur die Predella, das untere Bild des Altares, in Kiel. 1999 folgte dann das Pfingstbild mit den beiden dazugehörenden Seiten „Maria von Magdala am Grab“ und „Werke der Barmherzigkeit“. Im November 2002 schließlich konnte die Gemeinde auch die übrigen 6 Bilder entgegennehmen. Nun ist der Altar fertig und zeigt in 10 Bildern die Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen.
Sieger Köder möchte mit seinen Bildern predigen. Die Bilder wollen Hoffnung wecken, trösten und zum Nachdenken anregen. Ausgangspunkt ist der Bibeltext. in Auseinandersetzung mit dem Text, mit einer einzelnen Geschichte, mit der Frohen Botschaft entwickelt sich langsam das Bild. Es ist ein geistlicher und künstlerischer Prozess. Der Betrachtende wiederum tritt in den Dialog mit dem Bild. Abgesehen davon, dass die Bilder zu einem vertieften Verständnis der Heiligen Schrift führen, können sie auch in das Werk Sieger Köders einführen.
Einige Motive spielen bei Sieger Köder eine wichtige Rolle. Die Bedeutung des Mahles findet sich in vielen Darstellungen wieder. Hier taucht das Teilen von Brot auf dem Pfingstbild und auf dem Bild „Werke der Barmherzigkeit“ auf. Das Schöpfungsbild enthält mit einem Weinstock und Ähren einen Hinweis auf die Gaben der Eucharistie.
Kennzeichnend ist auch, dass Sieger Köder Glaubensgeheimnisse wahrt und sie deshalb indirekt darstellt. So ist die eigentliche Auferstehung nicht zu sehen, wohl aber eine Zeugin des Ostermorgens. Auf ihrem Angesicht spiegelt sich die Begegnung mit dem Auferstandenen wider. Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema ist auch bei den Bildern „Mose mit den Gesetzestafeln“ und „Verklärung“ zu beobachten. Was haben die Menschen sehen können und was erschloss sich ihnen im Glauben? Wie weit können Menschen Gott von Angesicht zu Angesicht sehen? Sind sie nicht auf Vermittlung angewiesen, weil Gott zu groß für menschliches Verstehen ist?
Ein wichtiges Anliegen Sieger Köders ist das Engagement für die Benachteiligten. Immer wieder tauchen Hinweise auf die Not der Menschen auf, z.B. bringt das Bild vom Gottesknecht vielfältiges Leid zum Ausdruck. Aber glücklicherweise gibt es Hoffnung. Das Pfingstbild mit Mutter Teresa und „Werke der Barmherzigkeit“ zeigen Möglichkeiten auf, wie Menschen in der Nachfolge Jesu Armut, Verzweiflung und Not lindern können. Dem entspricht auch die aufgeschlagene Bibelstelle in der Krippe, die mit den Worten endet „und wir...“.
Text: ©Christiane Herholz